Aktion, Antifa, Festival, Streik

11. Mai ’19 | Fight Back – Antifa Festival Vol. 10

Rap Flashmob zum feministischen Streik am Fight Back Festival
Eine Aktion der FeminismusAG der Interventionistischen Linken, als Teil des FLINT* Komitees

Auf dem alljährigen Antifa Festival ‘Fight Back‘ in der Desi Nürnberg, organisierte die FemAG der iL, die sowohl im FLINT Komitee als auch beim Fight back Festival aktiv ist, einen Flashmob!

Am Nachmittag als auch in der Nacht stürmten Aktivist*innen zwischen Bandauftritten die Bühne und legten eine Rap Einlage ein, um für den Streik im März 2020 zu mobilisieren. Die Hook des Tracks:
‘Frauen und Queers – lasst eure Arbeit liegen, ganz egal ob zu Hause oder in den Betrieben!
Es ist Schluss uns reicht´s, sind wie Rädchen in Getrieben, wenn wir aufhörn ha wer weiß, vielleicht kommt alles zum Erliegen!‘

Kontakt: femAGiL@riseup.net
Facebook: Interventionistische Linke Nürnberg
Web: nuernberg.interventionistische-linke.org

Die FemAG iL zum Feministischen Streik

Im letzten Jahr sind Frauen und Queers überall auf der Welt auf die Straße gegangen: In Spanien verließen am 8. März Millionen von Frauen und Queers ihre Arbeitsplätze, sie störten den Verkehr und verweigerten die Hausarbeit. Das Land war in großen Teilen lahmgelegt. In Chile kämpften Frauen und Queers gegen Sexismus, indem sie Universitäten besetzten. In Polen demonstrierten unzählige Frauen und Queers für ihr Recht auf körperliche Selbstbestimmung.

Auch in Deutschland gab es schon mal einen Frauenstreik. 1994 haben eine Million Frauen gegen schlechte Arbeitsbedingungen, den Abbau von Sozialleistungen und für ein Recht auf körperliche und sexuelle Selbstbestimmung gestreikt.

Wir denken, dass derzeit in Deutschland sowohl die Notwendigkeit als auch die Möglichkeit besteht, wieder einen Frauen- und Queers-Streik auf die Beine zu stellen.

Die Notwendigkeit ergibt daraus, dass die Forderungen von 1994 kaum an Aktualität eingebüßt haben, weil sie nach wie vor nicht durchgesetzt sind: Noch immer erhalten Frauen und Queers weniger Geld für die gleiche Arbeit, noch immer haben wir es mit schlechteren Arbeitsbedingungen zu tun. Noch immer sind wir viel stärker von Altersarmut und anderen Formen von Armut betroffen. Noch immer wird die Care-Arbeit, die einen Großteil unserer Arbeit ausmacht, nicht als solche anerkannt und dadurch abgewertet. Noch immer sind Lesben sowie Trans- und Interpersonen spezifischen strukturellen Diskriminierungen ausgesetzt. Noch immer haben Frauen und Queers kein Selbstbestimmungsrecht in Sachen Körper und Identität, noch immer bestehen die Paragraphen 218 und 219. Noch immer schreiben uns Schönheitsideale und Körpernormen vor, wie wir auszusehen haben. Noch immer erfahren Frauen und Queers massive geschlechtsspezifische Gewalt. Und noch immer erfahren viele von uns jeden Tag Rassismus.

Aktuell ergibt sich zudem eine besondere Notwendigkeit aus dem Rechtsruck und dem damit einhergehenden patriarchalen Backlash, der auf die Beibehaltung und Reetablierung sexistischer Rollenbilder zielt. Mehr noch: Antifeministische Standpunkte werden in der Neuen Rechten für rassistische Argumentationen nutzbar gemacht und mit diesen verknüpft – beispielsweise, indem Migration als Ursache für Gewalt gegen weiße Frauen dargestellt wird.

Die Möglichkeit ergibt sich aus der Wut vieler Menschen über die sexistischen Missstände. Sie ergibt sich aus der Wut vieler Menschen über den Rechtsruck und über die reale Gefahr, dass Errungenschaften der zweiten Frauenbewegung wieder eingebüßt werden müssen. Weiterhin daraus, dass zurzeit eine weltweite feministische Streikbewegung entsteht, in die wir uns einreihen und mit deren Kämpfen wir uns solidarisieren können und sollten.

Wir glauben, dass ein Frauen- und Queers-Streik als politische Ausdrucksform feministische Forderungen als Gegenstandpunkt zum Rechtsruck sichtbar machen kann.

Ein Frauen- und Queers-Streik ist ein politischer Streik und kann und darf daher nicht nur als Lohnstreik geführt werden. Wir wollen keinen althergebrachten Arbeitskampf führen, der sich allein auf den Lohnarbeitsplatz bezieht. Wir wollen alle Arbeit bestreiken, das heißt Pflegearbeit, Hausarbeit, Reproduktionsarbeit, emotionale Arbeit und jede andere Form der Arbeit, die unsichtbar gemacht wird. Wir wollen in die öffentliche Debatte eingreifen und deutlich machen, welche Arbeit wir jeden Tag leisten und welchen Mehrfachbelastungen wir ausgesetzt sind.

Deutschlandweit haben sich inzwischen über 30 Streikkomitees gegründet und es kommen immer mehr dazu. Zum ersten Vernetzungstreffen in Göttingen kamen rund 400 Frauen und Queers. Am Ende stand ein im Konsens verabschiedeter Aufruf zum Streik. Am 8. März 2019 wurde bereits in etlichen deutschen Städten gestreikt. Nun arbeiten wir auf einen Streik im Jahr 2020 hin – dann sollen es noch viel mehr Menschen werden, die sich beteiligen.

Der Streik als Protestform geht über reines Demonstrieren hinaus. Durch die Verweigerung verschiedener Formen von Arbeit kann eine breite Öffentlichkeit für feministische Themen geschaffen und gesellschaftlicher Druck aufgebaut werden. Ein Frauen- und Queers-Streik kann deutlich machen, wie viel Macht wir haben, wenn wir uns zusammenschließen und unserer Wut Ausdruck verleihen. Wenn wir streiken, können wir ganze Länder lahmlegen.

Über die Welt breitet sich eine Bewegung von streikenden Frauen und Queers aus, von Polen bis Argentinien, von New York bis Hongkong, von Spanien über Nigeria bis Australien. Und wir sind Teil davon.

Wenn wir streiken, steht die Welt still.

Die FemAG iL nürnberg
Kontakt: femAGiL@riseup.net
Facebook: Interventionistische Linke Nürnberg
Homepage: Interventionistische Linke Nürnberg

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